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Der ADAC-Fährentest 2001: Zusammenfassung der Ergebnisse

(Quelle:ADAC)

(hr) (adac) Der ADAC-Fährentest 2001 erbrachte tendenziell ein positiveres Ergebnis als in den Testjahren seit 1996, in denen in der Regel 25 bis 30% der getesteten Fähren negativ bewertet werden mussten. Von den 22 getesteten Fähren wurden nur drei mit "mangelhaft" benotet, zehn wiesen mit "ausreichend" einen gerade noch akzeptablen Sicherheitsstandard auf, sieben wurden mit "gut" bewertet, und zwei Fähren konnten mit der Bestnote "sehr gut" glänzen. "Sehr mangelhaft" war in diesem Test keine einzige Fähre.

Testsieger mit der Note "sehr gut" wurde die "Carthage" der CTN Tunisia Ferries, getestet am 30./31. März 2001 auf der Strecke Tunis - Genua. Die Fähre wurde 1999 gebaut und bietet Platz für 2422 Personen. Besonders positiv bewerteten die Tester die Notfall-Ausbildung und das -Training der motivierten Mannschaft sowie die Anwesenheit eines eigenen Sicherheitsoffiziers. Allgemein ist das Schiff mit modernstem Sicherheitsequipment ausgestattet, besonders hervorzuheben sind die geschlossenen Rettungsboote, die vier Vorrichtungen zur schnellen Evakuierung von Passagieren (MES), das elektronische Kontrollsystem für die Sicherheitschecks der Mannschaft, zusätzliche wasserdichte Schotts im Ladedeck, besonders breite Türen von den Sammelstationen zu den Bootsdecks und die beidseitigen Handläufe in den Schiffsgängen.

Testverlierer mit der Note "mangelhaft" wurde die Fähre "Ciudad de Salamanca" der Trasmediterranea, getestet am 7. April 2001 auf der Strecke Barcelona - Mahon. Sie wurde 1981 gebaut und hat Platz für 1011 Passagiere. Nach den Aussagen der Reederei kam die Fähre kurz nach dem ADAC-Test in ein Trockendock zur Überholung. Die Tester kritisierten unten anderem, dass Kranvorrichtungen für die Rettungsboote schlecht gewartet und sehr rostig, Wände der Rettungsboote voller Bohrlöcher bis 30 Zentimeter unterhalb des Dollbords, Kisten mit Rettungswesten mit Seilen zugebunden waren, ein Westenschrank abgeschlossen und kein Schlüssel zu finden war, Feuerklappen vergammelt und ohne Dichtungen und Schließschrauben waren, das Ladedeck während der Fahrt zugänglich war sowie Türen ohne Verbotsschilder waren.

Zwei der drei mit "mangelhaft" bewerteten Fähren verkehren in Spanien: der Testverlierer "Ciudad de Salamanca" und die Fähre "Arlequin Rojo" der Reederei Balearia. Getestet wurde dieses Schiff am 9. April 2001 auf der Strecke zwischen Ibiza und Formentera. Die Arlequin Rojo ist eine ehemalige Flussfähre aus Frankreich. Sie unterscheidet sich von der Konstruktion her von üblichen Fähren durch ihren ponton-artigen Aufbau mit einem durchgehenden, offenen Fahrzeugdeck. Darüber steht quer zur Fahrtrichtung wie eine Brücke die Kommandobrücke. Am rechten und linken Rand des Ladedecks sind Aufbauten angebracht, auf denen sich kleine, sowohl offene als auch geschlossene Aufenthaltsflächen befinden. Die Checkliste wurde in diesem Falle der unkonventionellen Konstruktion des Testkandidaten angepasst. Das Schiff wird hauptsächlich zum Transport von Fahrzeugen, insbesondere Lkw genutzt, deshalb gibt es als Passagiere im Normalbetrieb nur die zu den Fahrzeugen gehörenden Fahrer. Im Sommer jedoch und in Perioden wie Ostern und Pfingsten fahren auch viele Urlauber und Touristen mit, die sich dann allerdings mit einem sehr einfachen Platz- und Serviceangebot begnügen müssen.

Die dritte mit "mangelhaft" bewertete Fähre war die "Kraljica Mira" von der kroatischen "SEM Maritime Company". Das Schiff wurde bereits 1997 getestet und erhielt schon damals die gleiche schlechte Note. In einem angemeldeten Nachtest ein halbes Jahr später zeigte sie sich zwar verbessert. Sie konnte den besseren Standard aber offensichtlich nicht halten. Es ist zu bedauern, dass von der Mannschaft immer noch gravierende Fehler gemacht werden, wie etwa die Rettungsinseln mit Tauwerk am Lagergerüst festzuschnüren, was zur Folge hat, dass die automatischen Wasserdruckauslöser außer Kraft gesetzt sind. Es fehlten auch wieder Nachtlichter an den Rettungsringen, Feuertüren waren ihrer mechanischen Schließfunktion durch Türfeststeller und Haken enthoben.

Das Gesamtergebnis bestätigt die Tendenz, dass sich die Verhältnisse auf den Fähren in europäischen Gewässern weiter bessern. Dies trifft zumindest für die Ausstattung und den Gesamtzustand der Schiffe zu. Die Tatsache, dass zwei der drei mangelhaften Fähren in spanischen Gewässern fahren, lässt allerdings nicht den Schluss zu, dass in Spanien besonders schlechte Fähren unterwegs sind. Eine solche Aussage entspräche nicht den Testerfahrungen der vergangenen Jahre, in denen die spanische Flotte bis auf Ausnahmen mit positiven Testurteilen aufwarten konnte.

Trotz des verheerenden Fähren-Unglücks vor der Ägäis-Insel Paros am 26. September vergangenen Jahres, bei dem 82 Menschen ihr Leben lassen mussten, kann auch nicht davon gesprochen werden, dass die Risiken für Fährpassagiere in Griechenland besonders hoch seien. Der Trend aus allen vergangenen Testjahren, nach dem griechische Fähren in der Summe die schlechtesten Ergebnisse erzielten, bestätigte sich schon im Jahr 2000 nicht mehr. Genau wie im vergangenen Jahr erhielt auch im Test 2001 keine griechische Fähre eine negative Benotung, auch wenn einzelne nur knapp die Note ausreichend behaupten konnten. Als Beispiel für die positive Situation sei die "Express Apollon" erwähnt, die im ADAC Test 1999 mit "mangelhaft" bewertet wurde und sich in diesem Jahr so stark verbessert zeigte, dass sie - wenn auch ganz knapp - mit "gut" abschneiden konnte.

Der Test 2001 fokussiert ganz besonders die Situation in Griechenland, um acht Monate nach der Havarie der Express Samina die Frage, wie hoch das Risiko einer Fährenpassage in dem Inselstaat ist, wenigstens tendenziell beantworten zu können. So wurden von den 22 Testschiffen in diesem Jahr zehn nach oder in Griechenland überprüft. Die griechische Regierung reagierte nach der Katastrophe vor Paros schnell mit entsprechenden Maßnahmen: Unter anderem sollen künftig der Markt für ausländische Reeder geöffnet, Monopole bei Streckenbelegungen abgeschafft, mehr als 30 Jahre alte Schiffe verboten und Korruption durch eine neue Abteilung im Schifffahrtsministerium unterbunden werden.

Insgesamt ist auf den Fähren im Mittelmeer nicht zu übersehen, dass der harte Wettbewerb unter den Reedern und die neuen, schärferen EU-Richtlinien dafür sorgen, dass neue Schiffe gekauft, alte dafür ausgemustert oder zumindest technisch aufgerüstet werden. Fähren, die national oder in Küstennähe auf kurzen Strecken verkehren, zeigen einen niedrigeren Sicherheitsstandard, weil sie sehr oft vom zuständigen nationalen Gesetzgeber Sondergenehmigungen erhalten, die dies zulassen. Im Test schneiden solche Fähren in der Regel schwach ab, weil sie nicht die Sicherheitskriterien der internationalen Seefahrt erreichen. Es ist nicht einzusehen, warum man solch niedrige Standards, die das Sicherheitsrisiko für Passagiere erhöhen, in Europa akzeptieren sollte.

Im aktuellen Test trifft dies zum Beispiel auf die Arlequin Rojo ("mangelhaft") zu, eine Verbindungsfähre zwischen Formentera und Ibiza. Gerade der schwere Unfall vom vergangenen Jahr, der nur zwei Kilometer vor der Küste der Ägäis-Insel Paros passierte, zeigte deutlich, dass die Küstennähe im Notfall für die Rettung von Passagieren nicht zwingend von Vorteil ist. Allgemein stieg die Bereitschaft der Reeder deutlich, mit dem ADAC und seinen Testern zusammenzuarbeiten. Keine Reederei verweigerte dem ADAC in diesem Jahr die Zusammenarbeit.

Zum wiederholten Mal wurden in diesem Jahr folgende Fähren getestet:

  • Ciudad de Salamanca: 2000 Note "gut", 2001 Note "mangelhaft".
  • Kraljica Mira: 1997 Note "mangelhaft", 2001 Note "mangelhaft".
  • Erotokritos: 1998 Note "ausreichend", 2001 Note "gut".
  • Express Apollon: 1999 Note "mangelhaft", 2001 Note "gut".

Bis auf die Kraljica Mira erzielten alle diese Fähren in den verschiedenen Testjahren unterschiedliche Noten, teils mit einer positiven, teils mit einer negativen Entwicklung. Dies wird als weiteres Indiz dafür gewertet, dass der Sicherheits-Zustand von Fähren ganz wesentlich von den Mannschaften abhängt, die auf ihnen fahren - ein Umstand, der so nicht gegeben sein darf. Die Sicherheit der Fähren muss immer gleich bleiben, egal, wer Kapitän an Bord ist.

Die Notfallinformationen für Passagiere sind immer noch ein Problem. Passagiere sollten per Lautsprecher, Videofilm und zusätzlich per Leaflets über das richtige Verhalten im Notfall informiert werden. Doch längst nicht alle Passagiere fühlen sich ausreichend aufgeklärt. Hier muss leider aber auch betont werden, dass seitens der Passagiere oftmals kein Interesse an den Informationen besteht. Dies geht so weit, dass über Fernseher gezeigte Informationsvideos von Passagieren zu Gunsten anderer Kanäle abgeschaltet werden.

Das Sicherheitsmanagement an Bord, verbunden mit der Ausbildung der Mannschaft für den Notfall, lässt ebenfalls immer noch zu wünschen übrig. Zwar werden den Büchern nach alle ISM-(International Safety Code)-Anforderungen erfüllt. Aber Befragungen von Mannschaften und die praktische Übung auf einer längeren Überfahrt zeigten auch in diesem Jahr wieder, dass die Mannschaften den Notfall in Wahrheit nicht ausreichend üben und deshalb einem real eintretenden Notfall auch nicht optimal gewachsen wären. Bei Notfallübungen, die der ADAC auf griechischen Schiffen mit den Crews durchführte, zeigten sich teils gravierende Mängel. So benötigte etwa die Besatzung der "Aptera" knapp zwanzig Minuten, um ein einziges Rettungsboot zu Wasser zu lassen, und band sich Rettungswesten mit einem Schleifchen um den Hals. Tester Rob Smits: "Die Übungen fielen meistens katastrophal aus, die Mannschaften waren überfordert". Im Notfall das Todesurteil für viele Passagiere.

Kritisiert, aber nicht negativ bewertet, werden Passagierdecks, die sich unter dem Ladedeck und damit unter der Wasserlinie befinden. Dies kann im Havariefall zu verhängnisvollen Einschlüssen führen. Im Test wurde zum Beispiel auf der Fähre "Ciudad de Salamanca" ein Deck dieser Art festgestellt.

Die zahlreichen Mängel gehen zum größten Teil auf falsches Verhalten der Mannschaften oder unsachgemäße Wartung der Sicherheitseinrichtungen zurück. So werden immer noch Notausgänge zugesperrt oder Rettungsinseln mit Seilen verzurrt. Feuertüren kann man wegen extra angebrachter Haken und Schnüre nicht schließen, Rettungswesten sind in schlechtem Zustand und unzugänglich in verknoteten Containern oder abgesperrten Schränken verstaut. Auf den Ladedecks wird nicht ordentlich gelascht - Tonnen, Eimer und Container mit den verschiedensten Chemikalien stehen ungesichert herum. Auf Camperdecks wird so eng und durcheinander geparkt, dass man im Notfall nur schwer an Rettungswesten oder zu den Notausgängen gelangen könnte.

Ein großes Problem auf allen Fähren ist der Diebstahl von Sicherheitsausrüstung durch Passagiere. Die am häufigsten gestohlenen "Souvenirs" sind Rettungswesten und Rettungsringe. Leider reagieren Crews auf diese unsinnige Vorliebe häufig mit dem Wegsperren der Sicherheitsausrüstung. Dies bedeutet aber im Ernstfall, dass diese Ausrüstung dann auch nicht oder nicht schnell genug verfügbar ist. Passagiere müssen endlich lernen, dass solche Diebstähle kein Kavaliersdelikt sind, sondern die Sicherheit aller an Bord bedrohen. Schiffscrews dürfen die Ausrüstung nicht wegsperren, sondern müssen Fehlendes sofort ersetzen.

Insgesamt scheint sich die langjährige Kritik und Testaktivität des ADAC auf dem Gebiet der Sicherheit von RoRo-Passagierfähren in Europa in Form von verbesserten und sichereren Schiffen langsam niederzuschlagen. Dazu kommt die gesetzgeberische Arbeit der EU-Kommission, die in den vergangenen Jahren mehrere strengere EU-Richtlinien auf den Weg gebracht hat. Sie beinhalten regelmäßige Forderungen des ADAC, wie etwa die Zertifizierung aller Fähren, also auch national verkehrender, nach SOLAS international oder die zusätzliche Überprüfung von Fähren ohne vorherige Anmeldung.

Seit 1997 arbeitet der ADAC mit der EU-Kommission informell zusammen und wurde 1998 von ihr auch finanziell beim Fährentest unterstützt. Im Jahr 2000 wurde das Projekt Fährentest von acht weiteren europäischen Automobilclubs mitgetragen , im Jahr 2001 sind der ÖAMTC (Österreich) und der RACE (Spanien) Partner.

26.05.01

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